München, Brachmond 2000 Jahrgang 51 / Folge 7
Grußworte
Stefan Klotz, Bundesjugendleiter:
50 Jahre Böhmerwaldjugend.
Ein halbes Jahrhundert besteht unsere Jugendorganisation nun schon.
Und trotzdem wir als Verband und Träger der Trachten der
Vorfahren aus dem Böhmerwald schon oft totgesagt wurden,
gibt es uns noch immer. Immer waren es einzelne stark engagierte
Böhmerwäldler und später die Mitglieder unserer
Böhmerwaldjugend, die den Verband am Leben erhielten, mit
Leben und Inhalten füllten und so in die Zukunft führen
konnten. Aus der Not der Nachkriegsjahre geboren, um den vertriebenen
Jugendlichen eine Stütze, Hilfe und einen Ort der Identitätsfindung
zu geben, hat die Böhmerwaldjugend im Laufe ihrer Geschichte
eine langsame, kontinuierliche aber grundlegende Veränderung
durchlaufen. In den ersten Jahren ihres Bestehens wurde noch fest
mit der Möglichkeit der Rückkehr in die Heimat am Fuße
von Arber und Osser gerechnet. Es wurden landwirtschaftlich orientierte
Lehrgänge durchgeführt, um die durch die nicht zu rechtfertigende
Vertreibung landlos gewordenen Nachfahren meist bäuerlicher
Familien zu lehren, wie eine Landwirtschaft zu führen ist.
Es wurde Kameradschaft und gutes Sozialverhalten vermittelt, Schulungen
behandelten politische Themen, um die Jugendlichen und jungen
Erwachsenen auf das Leben in der Demokratie des neuen Staates,
in den sie hineinkatapultiert wurden, vorzubereiten. Das Wissen
um die Böhmerwaldheimat, um das Sudetenland war ja vorhanden
und musste nicht angelesen oder von Dritten vermittelt werden.
Man war ja selbst noch aktiver Miterleber des Geschehenen und
fühlte sich als Böhmerwäldler unter Böhmerwäldlern
zuhause und hatte auch das Gefühl zu einer kleinen Volksgruppe
zu gehören, die durch die unglückseligen Umstände
der Weltpolitik aus ihrer Heimat gejagt und in alle Winde zerstreut
wurden.
Dann kam die Zeit des Wiederaufbaues, der Integration in eine
neue Gegend und oftmals die Konfrontation mit einer völlig
anderen Mentalität. Viele wollten nicht auffallen, nicht
als Flüchtlinge, Vetriebene oder als Rucksackdeutsche gelten.
So passten sie sich an, erlernten neue Dialekte, legten ihre alten
ab. Viele taten es so.
Wer
könnte es ihnen auch verdenken. Wer wollte schon mit dem
sozialen Makel eines Reingeschmeckten behaftet sein.
So haben viele schon in der ersten Generation nach der Vertreibung
ihren angestammten Dialekt verloren, haben ihre Wurzeln verleugnet,
ihre Geschichten und Sagen vergessen. Die Elterngeneration wollte
vielleicht auch den Schmerz um die verlorene Heimat verdrängen
und hat deshalb oft nichts oder nur wenig von der Vergangenheit
erzählt. Sie wollte wohl der jungen, nachwachsenden Generation
eine unbeschwerte Kindheit ermöglichen. Die Vorbelastung
durch die Geschichte sollte den Kindern erspart bleiben. Die Frage
ist nur, war das auch gut so ? Diese Frage muss letztlich jeder
für sich selbst beantworten. Eine klare Folge davon ist jedoch,
dass das Zusammengehörigkeitsgefühl der Volksgruppe
und Ihrer Nachfahren dadurch verloren ging. Die nachwachsenden
Generationen haben sich durch das Fehlen des eigenen Dialektes,
durch die Unkenntnis der Geschichte und der Erlebnisse der Vorfahren
immer mehr von der Schicksalsgemeinschaft der Böhmerwäldler
wegentwickelt. Sie fühlen sich heute in ihrer bedeutenden
Mehrheit als Badener, Bayern, Schwaben oder Hessen. Wer von den
nach 1960 Geborenen fühlt sich heute noch als Böhmerwäldler
oder Angehöriger einer vertriebenen Volksgruppe ? Sicherlich
nur noch einzelne. Rechnet man zurück auf die etwa 200.000
vetriebenen Böhmerwäldler, so müsste es heute grob
geschätzt zirka 200.000 bis 300.000 Nachfahren deutscher
Menschen aus dem alten Heimatraum geben. Von diesen wären
etwa 30.000 bis 40.000 im Alter zwischen 15 und 30 Jahren. Ginge
man davon aus, dass sich nur zwei Prozent dieser Nachfahren für
die Heimat im Böhmerwald interessieren würden und sich
organisieren wollten, dann müsste unser Verband rund 750
Mitglieder haben. Leider sind es aber nur noch um die 200, die
der BWJ die Treue halten und sich für das Überleben
und die Pflege eines Teiles des deutschen Kulturerbes einsetzen
- wo sind die anderen 29.800 ? Wissen sie überhaupt dass
es die BWJ gibt, dass ihre Vorfahren gewaltsam, entgegen dem gültigen
Völkerrecht von Haus und Hof verjagt wurden?
Allein die Tatsache, dass sich nur 0,5 % der jungen Böhmerwäldler
für die Heimat ihrer Vorfahren interessieren, bedeutet auch,
dass es immer weniger Menschen gibt, welche die Aufgaben, die
ein Jugendverband wie die BWJ hat, ehrenamtlich wahrnehmen wollen.
Diejenigen, die überhaupt noch etwas tun, bekommen immer
mehr Aufgaben angetragen, wohingegen die Bereitschaft anderer
mitzuarbeiten im gleichen Maße sinkt. Viele kommen einfach
nicht mehr zu den Gruppenstunden und so wird es auch für
uns immer schwieriger, vernünftig zu arbeiten. Die Freude
an der Arbeit wird eben dadurch nicht gerade gesteigert, dass
man viele ewig bitten muss, zu diesem oder jenem Auftritt mitzufahren
oder verantwortlich eine Aufgabe zu übernehmen.
Dazu kommt noch, dass diejenigen, die ehrenamtlich die Arbeit
übernehmen, meistens auch im Berufsleben mehr eingespannt,
engagiert und belastet sind als andere. Es liegt wohl daran, dass
diese Menschen ein anderes Verständnis von Verantwortung
und sozialem Engagement haben als diejenigen, die der allgemeinen
Entwicklung folgend, nur konsumieren und für sich alleine
verantwortlich sein wollen. Dadurch, dass aber die wenigen engagierten
Leute mit Arbeit überladen werden, schwindet auch deren Lust
noch etwas zu tun immer mehr. Wir müssen also vorsichtig
mit denjenigen umgehen, die überhaupt noch etwas zu tun bereit
sind.
Tatsache ist es, dass es immer schwieriger wird, noch Gruppen zu finden, die alleine, zum Beispiel in Passau beim Bundestreffen, auftrittsfähig sind. Schon in den letzten Jahren war es, mit Ausnahme unserer Gruppe aus München, nur noch möglich aus mehreren Gruppen zusammengestellte Spielscharen auf die Bühne zu bringen, die sich bei überregionalen Treffen auf diese Auftritte vorbereitet haben. Wie in den meisten anderen Vereinen oder Verbänden haben auch wir mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Viele Gruppen überaltern , Jugendliche in diesem Sinne in der Altersklasse von 14 bis 18 Jahren findet man nur noch in den wenigsten Spielscharen. Und die derzeitigen Kindergruppen können den Schwund nicht annähernd ausgleichen, der durch den Weggang von Mitgliedern aus den Spielscharen entsteht.
Dies sind nun mehrere Gründe für den Wandel in der
BWJ. Man muss den jüngeren Gruppenmitgliedern heute erklären,
woher die Vorfahren stammten, sie kennen ja die Böhmerwaldheimat
nicht mehr. Bestenfalls aus Erzählungen in der Familie oder
von einigen wenigen geretteten Fotografien der Großeltern.
So wandeln sich die Lehrgangsinhalte und auch die Einstellung
zur Arbeit in der BWJ. Früher waren viele Gruppenmitglieder
noch politisch motiviert. Heute gilt das Hauptinteresse der kulturellen
Arbeit, dem Volkstanz und Singen sowie den Trachten. Die meisten
kennen nicht mehr die Hintergründe und Ursachen der Vertreibung.
Sie wissen oft nur unzureichend Bescheid darüber, wann und
warum deutsche Siedler vor über 850 Jahren in das unwirtliche
Mittelgebirge des Böhmerwaldes kamen, es rodeten, urbar machten
und es im Laufe der Jahrhunderte in Kulturlandschaft verwandelten.
Dies sind heute Inhalte für Lehrgänge, genauso wie die
Pflege und Aneignung von handwerklichen und gestalterischen Fertigkeiten
wie sie in der alten Böhmerwaldheimat zuhause waren. Scheckelkratzen
gehört genauso dazu wie der Bau von Ratschn für die
Osterzeit. Hier haben wir das Glück, über gute Referenten
aus den eigenen Reihen zu verfügen, die uns dieses Wissen
noch vermitteln können.
Auch muss sich die BWJ mit den modernen Medien auseinandersetzen.
Und so ist im Herbst diesen Jahres eine Schulung zum Thema Internet
und dem Aufbau von Homepages der Böhmerwaldjugend geplant.
Natürlich darf man nicht vergessen, dass wir als Böhmerwaldjugend einer der Hauptrepräsentanten unserer Volksgruppe in der Öffentlichkeit sind. Schon allein durch das Tragen der Trachten und durch viele Auftritte der Gruppen bei Stadtfesten, Treffen und internationalen Begegnungen wie beispielsweise der Europeade, weist die BWJ auf unsere Volksgruppe und deren Schicksal hin. Hier sehen wir auch in Zukunft unsere Hauptaufgabe. Das Bewahren und Lebendighalten von Lied, Tanz, Literatur und von Trachten einer Volksgruppe die willkürlich ihrer Einheit, Heimat und Lebensgrundlage beraubt wurde.
Für die vielen Jahre der idealistisch geleisteten Arbeit
will ich mich bei all meinen Vorgängern, deren Mitstreitern
und Freunden herzlich bedanken. Genauso bei all denen, die auch
heute noch, entgegen allen Strömungen des Zeitgeistes und
unter Zur-Verfügung-Stellung ihrer Freizeit daran mitarbeiten,
dass es 54 Jahre nach der Vertreibung noch eine aktive Böhmerwaldjugend
gibt.
Für die Zukunft wünsche ich uns allen Tatkraft, einen
freundschaftlichen Geist in unserem Verband und das Gefühl,
zusammen zu gehören.
Stefan Klotz
Günther Hans, Bundesjugendleiter 1964 bis 1985
Nachdem Sabine mich gebeten hat, als ehemaliger Verantwortungsträger
in einem Grußwort zu dem großartigen Jubiläum
der Böhmerwaldjugend eine Zusammenfassung meiner Tätigkeit
in diesem Verband zu erstellen, hier eine kleine Bilanz.
Die enge Verbundenheit zu unserer BWJ mögen ein paar Zahlen
zeigen: Von 1966 bis heute habe ich an 43 Freizeiten der BWJ teilgenommen,
bei 17 von diesen war ich in Organisation und Gestaltung mitverantwortlich,
25 musste ich auch leiten.
Im gleichen Zeitraum waren etwa
95 Wochenendlehrgänge einschließlich Landes- oder Bundesspiele
zu organisieren und durchzuführen, wobei ich die letzten
fünf - sechs Jahre meiner Verantwortung in diesem Bereich
weniger mitzähle, da hier die Hauptlast des Organisierens
und ein großer Teil der Gestaltung bei Marina und Uli lagen.
An die 90 Programmzusammenstellungen, nach Uhrzeit aufgeschlüsselt,
waren es wohl, die verfasst und an den Staat zur Abrechnung eingesandt
werden mussten. Dreizehn Bundestreffen der Böhmerwäldler
in Passau waren von der Jugendseite her zu organisieren und mitzugestalten,
an etwa 60 Bundesvorstandssitzungen des Böhmerwaldbundes
nahm ich teil, neun Jahre lang lag die Verantwortung für
den Wanderstecken bei meiner Frau und mir. Zehn Jahre Mitgliedschaft
in der Landesleitung der DJO Baden-Würt-temberg mit den entsprechenden
Sitzungen und Klausuren, mit dem Ringen gegen die Namensänderung
der DJO gehörten ebenso dazu wie zwölf Jahre Mitgliedschaft
in der Bundesleitung der SdJ mit ihren Tagungen und Sudetendeutschen
Tagen.
Bleiben 22 Jahre Mitgliedschaft in der Spielschar der BöhmerwäldIer
in Baden-Württemberg, 20 davon als Chorleiter mit etwa 200
Proben und Auftritten, darunter auch Schallplattenaufnahmen und
unzählige literarische Abende.
Nun. was ist meine Bilanz? Ja, es stimmt, so ganz am Anfang mit 15 - 16 Jahren, da war ich stolz darauf, in unserer BVVJ organisatorisch tätig sein zu können und Verantwortung tragen zu dürfen. Sogar einen Verehrerbrief schrieb ich in diesem Stolz auf Briefpapier der BVVJ, aber nur einen, denn der war ganz schnell in einer größeren Runde bekannt, als von mir geplant. Später, nachdem das Verantwortungsgefühl für den Böhmerwald einen großen Teil der ursprünglichen Freude am Tun mehr und mehr ersetzte und letztendlich der Körper begann die Notbremsen zu ziehen, da stand schon die Frage im Raum, hatten all die Jahre einen Sinn? Oft inmitten von vielen Menschen sein, und trotzdem oft so alleine? Hat es sich gelohnt? Was wurde erreicht?
Ja, es hat sich gelohnt ...
Hunderten von jungen Leuten konnten meine Mitarbeiter und ich mitgeben, was an Brauchtum, an geschichtlichem Wissen bekannt war, was unsere Schriftsteller, Komponisten, Künstler, Politiker leisteten. Hunderte bildeten in den Lagern Gemeinschaft und trennten sich mit dem Wunsch, bald wieder zusammenzukommen. So mancher fand ein Stückchen Heimat in einer zerrissenen Welt. Neue Werke der Böhmerwäldler konnten der Öffentlichkeit gezeigt, alte für die Öffentlichkeit bewahrt werden. Tausenden von Menschen durften wir in unseren Abenden beweisen, dass es uns gibt, vor Augen stellen das Niveau der kulturellen Arbeit der Böhmerwäldler. Die Böhmerwaldjugend, auch als politische Jugend, die sie ja ist, 50 Jahre nach der Vertreibung lebendig zu haben in Gruppen, die in guter, oft hoher Qualität den Böhmerwald repräsentieren, das ist ein erreichtes Ziel, das gemeinsam von uns errungen worden ist, gegen die Hoffnung unserer politischen Gegner, gegen die Befürchtung so manch unserer Freunde. Nichts war umsonst in der Arbeit der letzten Jahrzehnte. Wir haben eine Zukunft gebaut, die in großen Teilen nach 1989 schon Wirklichkeit geworden ist. Wir haben es gemeinsam geschafft, den Auftrag unserer Satzung mit Leben auszufüllen und ihm voll zu entsprechen. Darauf kann die Böhmerwaldjugend stolz sein.
Und ich freue mich, dass das Wertvollste, was wir haben, die alte, zerfetzte, im alten Böhmerwald gesponnene und gewebte Lagerfahne mit der Rose, die seit 1949 über uns wacht, an eine jüngere Mannschaft mit neuen und eigenen Ideen weitergegeben ist. Der ganzen Böhmerwaldjugend eine herzliche Gratulation und ein Glück auf für die Zukunft.
Günther Hans
Hartmut Liebscher, Landesvorsitzender der DJO Baden-Württemberg
Liebe Freunde der Böhmerwaldjugend,
auf 50 Jahre Jugendarbeit zurückblicken zu können, darauf
könnt Ihr zu recht ein wenig stolz sein. Deshalb möchte
ich Euch im Namen der DJO-Deutsche Jugend in Europa Baden-Württemberg
auch besonders herzlich gratulieren. Die Böhmerwaldjugend
hat es immer verstanden die Traditionen des Böhmerwaldes
zu bewahren und in ihren Gruppen als Grundpfeiler der Jugendarbeit
weiter zu pflegen. Darüber hinaus sich aber auch allen neuen
und fremden Strömungen nicht zu verschließen. Eine
Brücke zu schlagen zwischen den Nachkommen der Vertriebenen
und der einheimischen Bevölkerung ist nicht nur Euer Wille,
sondern Ihr habt es auch in Eurer täglichen Arbeit umgesetzt.
Gerade als Nicht-Böhmerwälder kann ich dies sagen, man
fühlt sich bei Euch sehr schnell wohl und dazugehörig.
Und dies wird hoffentlich noch viele Jahre so bleiben.
Die Böhmerwaldjugend ist seit ihrem Bestehen in Baden-Württemberg auch ein fester und tragender Bestandteil der DJO-Deutsche Jugend in Europa. Viele gemeinsame Fahrten, Lager, Freizeiten, und Bildungsangebote wurden in der zurückliegenden Zeit durchgeführt. Ohne die Teilnehmer aus Euren Gruppen wäre so manches ausgefallen. Auch auf der Vorstandsebene gibt es einen guten Kontakt. Mindestens ein Böhmerwälder oder Böhmerwälderin gehört dem DJO Vorstand immer an und schlägt durch seine aktive Mitwirkung auch die Brücke zwischen beiden Verbänden.
Zu Eurem Geburtstag sende ich Euch die herzlichsten Grüße unseres gesamten Verbandes. Mögen Eure Gruppen noch viele Jahre in großer Lebendigkeit bestehen, die Traditionen des Böhmerwaldes erhalten und noch vielen Kindern und Jugendlichen weitervermitteln.
Hartmut Liebscher, Landesvorsitzender
Im Jahre 1950 trafen sich auf der Kangleralm, am
Hang des Dreisesselberges in Riedelsbach, an den Vortagen des
Jakobitreffens, Erich Hans, Josef Kangler, Ignaz Rabhansel, Ludwig
Tschunko und Alois Löffler.
Bei diesen Gesprächen wurde die Böhmerwaldjugend ins
Leben gerufen. Gleichzeitig wurde der Wanderstecken,
die Jugendseite der Heimatzeitschrift Hoam! gegründet.
Erich Hans war für diese Jugendbeilage die ersten 10 Jahre
verantwortlich. Ihm folgten Gustav Schuster, Ingo Hans, Eva-Maria
Hans und Sabine Januschko.
Zum ersten Böhmerwaldjugendlager
lud Erich Hans im Dezember 1950 nach Lackenhäuser ein, zu
welchem dann im Juli 71 Teilnehmer kamen. Dabei wurde ein Unterstützungsfond
gegründet, um den Teilnehmern die Reise und die Teilnahme
zu ermöglichen. Dieser Fond wurde von Adolf Webinger, damals
Hintereben, verwaltet.
Hier ist noch zu erwähnen, dass Adolf Webinger von Anfang
an die Jugendarbeit unterstützte. Er schrieb 1950 u.a.: Ich
selbst werde immer schützend und fördernd hinter Euch
stehen.
In den Jahren 1948 bis 1960 entstanden und arbeiteten in Baden-Württemberg, in Bayern und in Hessen die nachfolgenden BWJ-Jugendgruppen: Esslingen, Nürtingen, Aalen, Backnang, Karlsruhe, Fellbach, Ludwigsburg, Bretten, München, Forchheim, Passau, Kochel, Rosenheim, Landshut, Regensburg, Ellwangen, Kirchheim, Künzelsau, Heidelberg, Waldkirchen, Schrobenhausen, Tiefenbach, Linz (Ö), Wels (Ö), Augsburg, Waldkraiburg, Steinheim/Murr, Frankfurt, Marburg/Lahn, Aichach, Bopfingen, Göppingen und andere.
Ab 1953 wurden regelmäßig Jugendleiterschulungen
durchgeführt. Bei einer dieser ersten Schulungen wurde auch
die Form der Wimpel für die Jugendgrup-pen festgelegt.
1953 wurde das Haus für die Böhmerwaldjugend erworben
- das Vorhaus des Böhmerwaldes - ein Ausgedinghäuschen,
das 1955 an Jakobi eingeweiht wurde.
Die Bundesfahne der BWJ wurde 1953 von der Heimatgruppe Esslingen
und der Arbeitsgemeinschaft der heimattreuen Böhmerwäldler
in Baden-Württemberg der Jugend gestiftet.
Seit 1954 werden von der BWJ in Baden-Württemberg Landesjugendtage
durchgeführt. - In den 70er Jahren wurde daraus der Bundesjugendtag
der BWJ.
Am 1.1.1957 trat die erste Arbeitsordnung der BWJ in Kraft.
Sie wurde in Ulm in voller Übereinstimmung beim Bundesjugendtag
beschlossen.
Beim Sudetendeutschen Tag 1957 überreichte der Führer
der DJO Ossi Böse an die Bundesjugendleitung der BWJ eine
DJO-Fahne, mit diesem Akt war die BWJ offizieller Teil der SDJ
und damit der DJO geworden.
In diesem Jahr wurde zum ersten
Mal in der Geschichte der Böhmerwaldjugend (BWJ) mit Gustl
Schuster ein Bundesleiter der Böhmerwaldjugend gewählt.
Die Jugendgruppen hatten sich bis dahin in den Landesverbänden
der BWJ organisiert, die ihrerseits eng mit den Landesverbänden
der Böhmerwäldler in den beiden süddeutschen Bundesländern
verknüpft waren. Was lag nun näher als diese beiden
starken Landesgruppen zusammenzuschließen um eine gemeinsame
Koordination aller Gruppen der BWJ zu versuchen. Mit der Jugendbeilage
der Heimatzeitschrift HOAM!, dem Wanderstecken,
war schon im Jahre 1950 ein Mitteilungsblatt der BWJ entstanden,
das vom Voder der BWJ, Prof. Erich Hans geleitet wurde
und in welchem nun seit einem halben Jahrhundert für, über
und durch die Böhmerwaldjugend berichtet wird. Im Wanderste-
cken wurden die ersten Richtlinien für eine Arbeit
der BWJ gegeben, es wurden Kontaktmöglichkeiten aufgezeigt
und das kulturelle Erbe in Form von Liedern, Gedichten, Tänzen
und Trachten weitergegeben. Dies alles führte dann schließlich
zur Gründung einer Böhmerwaldjugend-Bundesleitung, deren
Aufgabe es war und ist die einzelnen Gruppen der BWJ zu einen,
Lehrgänge und Heimatabende zu organisieren sowie das Auftreten
der Gruppen bei überregionalen Veranstaltungen der Böhmerwäldler
zu koordinieren. Dies betrifft hauptsächlich das Jakobitreffen
am Dreisesselberg, das Bundestreffen in Passau sowie die Organisation
und Durchführung der Bundesjugendtage der BWJ, die seit 1971
alle zwei Jahre stattfinden.
Über 200 BWJ-Mitglieder waren 1961 in Passau bei der Patenschaftsübernahme der Stadt Passau über die Böhmerwäldler. - Für die BWJ wurde es bis heute Tradition die Tage beim Bundestreffen in Passau mit kulturellen Veranstaltungen auszuschmücken.
Bis Dezember 1963 war Gustl Schuster
Bundesjugendleiter der BWJ. Sein Nachfolger wurde Ewald Fiedler.
Weitere Bundesjugendleiter waren danach: Erich Hans jun. 1966
bis 1977; Ingo Hans 1977 bis 1985; Günther Hans 1985 bis
1994; Stefan Klotz seit 1996.
Einer der Höhepunkte in der Geschichte der BWJ war das Bundestreffen 1995 in Passau. Dort erhielt die Böhmerwaldjugend den Kulturpreis der Stadt Passau.
Die Böhmerwaldjugend beschränkte sich mit ihren Auftritten und Reisen jedoch nicht nur auf ihre eigene Umgebung. Schon sehr bald waren Jugendgruppen unterwegs nach Schweden, Frankreich, Großbritannien, Malta und in andere Länder. Sogar bis nach Amerika zur Steuben-Parade und nach Brasilien sind sie gekommen.
Die Gruppen aus Aalen und Ellwangen nahmen mehrmals an der Europeade teil. Seit der Öffnung des Eisernen Vorhanges ist es auch wieder möglich, in die Heimat zu fahren, was viele Gruppen genutzt haben. Aufzuzählen, welche Gruppe wohin gereist ist, würde Seiten füllen.
Seit 1995 finden nach achtjähriger Pause wieder Sommerlager
der Böhmerwaldjugend in Lackenhäuser statt. 1999 traten
die Teilnehmer am Ende des Sommerlagers bei einem Bunten Nachmittag
der Ortsgruppe Schmidham auf. Es wurden Lieder und Tänze
gezeigt, die in nur wenigen Tagen einstudiert wurden.
Das Jugendlager im Winter wurde vor einigen Jahren durch eine
Familienfreizeit ersetzt.
Derzeit gibt es im Verhältnis zu den Anfangsjahren leider nur noch wenige Kinder- und Jugendgruppen, sowie Spielscharen: Aalen, Backnang, Ellwangen, Nürtingen, Esslingen, Forchheim, München, Schrobenhausen, Friedrichshafen, Heidelberg, Oftersheim und Wiesloch.
Nebelmond 1950: Der 1. Wanderstecken erscheint
Als Einleitung war in dieser ersten Ausgabe zu lesen:
Wenn man etwas Neues anfängt, dann redet man meist
darüber, welchen Zweck dieses Neue haben soll. Wir wollen
ganz schlicht sagen, dass wir jungen Leute meinen, wir seien eine
neue Stufe in unserem Heimatvolk, welche auf dem Unterbau der
früheren Stufen liegt. Unsere Stufe will ein wenig bröckelig
werden, weil wir nicht beisammen sein können und weil jeder
von uns wo anders lebt und arbeitet. Dawider wollen wir etwas
tun. Wir meinen aber nicht, dass wir einer dem anderen vorschreiben
können, was wir tun sollen, sondern wir wollen einer zum
anderen wandern und einander zeigen, was jeder von uns tut und
wie er lebt, und wir wollen dabei ein wenig darauf achten, dass
wir das Gemeinsame in uns, unsere Herkunft, unser Wesen und unser
gemeinsames Heimatrecht nicht vergesse und vertun. Wir wollen
unsere Gedanken austauschen und dabei darauf achten, dass jeder,
der mit uns reden will, recht und ordentlich zu Worte kommt. Der
Mittelpunkt unserer Gedanken werden freilich immerzu unsere Heimatberge
und ihre Menschen sein.
Damit fangen wir unsere Wanderung zueinander und heimzu an und
nehmen voll Glauben an die Zukunft unseren Wanderstecken zur Hand.
(Erich Hans)
Das 1. Böhmerwaldjugendlager
Die Einladung zu diesem Sommerlager
erschien im Dezember 1950 im Wanderstecken:
Das steht nun fest: Lager am Dreisessel
Wenn nur ein Teil der für uns bestehenden Aufgaben gelöst
werden soll, dann müssen überall da, wo heute Böhmerwäldler
wohnen, junge Leute sein, die wissen, was sie wollen können,
und die wissen, was sie tun sollen und wie sie es tun sollen.
Soll ein echtes, lebendiges Band alle umschließen, wo sie
auch sonst sein mögen, dann muß eine erlebnisstarke
Grundlage geschaffen werden, die wirklich zu einem Quell neuen
Lebens wird. Darum haben beim letzten Jakobitreffen auf dem Dreisessel
eine Anzahl junger Böhmerwäldler beschlossen, alljährlich
ein Ferien- und Urlaubslager für Jungen und Mädel der
Heimat durchzuführen.
Wir Böhmerwäldler sind in einer glücklichen Lage:
Wir können in unsere Heimatlandschaft gehen, denn die Gebiete
um die Grenzberge des Böhmerwaldes gehören unmittelbar
zu unserer Heimat.
Am Fuße des Dreisessels soll nun erstmalig im kommenden
Sommer ein Lager errichtet werden, in welchem unsere Jungen und
Mädel Böhmerwäldler Gemeinschaft erleben sollen
und wo sie alle geistigen, kulturellen und wirtschaftlichen Schöpfungen
und Werte des Böhmerwaldes kennen lernen sollen. In gemeinsamer
Arbeit soll ein fest umrissenes Bild der Heimat geschaffen werden,
das dann durch die Teilnehmer zu allen vertriebenen Böhmerwäldlern
getragen werden soll. Leibesübungen werden die Tage ver-schönern.
Namhafte Männer der Heimat werden an der Gestaltung des Lagers mitarbeiten, Heimatabende, Tanz, Musik und Gesang, Wanderungen auf die Berge, Vorträge und Feiern werden das Lager zu einem unvergeßlichen Erlebnis werden lassen.
Das Lager wird in der Zeit um das Jakobitreffen, also Ende Juli - Anfang August 1951 laufen.
Um möglichst vielen Jungen und Mädchen die Teilnahme an dem Lager zu ermöglichen, wird ein Unterstützungsfond gegründet, der den Teilnehmern die Zugreise ermöglichen und die Lagerkosten für den einzelnen möglichst klein machen soll. Der Geldstock wird vom Verein der heimattreuen Böhmerwäldler verwaltet. ...
Winterlager 1964/65: Das erste Winterlager in Lackenhäuser
Bericht von Berthold Jany, Waldkirchen, erschienen Februar 1965 (gekürzt)
Sie kamen von Norden und
zogen nach Süd..., klang es frisch und fröhlich
auch dann noch, als wir schon wieder zur Heimfahrt bereitstanden.
Also, am 2. Weihnachtsfeiertag roasten wir gen´ Dreisessel,
schier an die 70 Buam und Dirndln, in unser bekanntes, schönes
Webingerhaus. ... Und wer denkt, dass mit hereinbrechender Dunkelheit
alle müde und matt auf ihre Liegen in den Zimmern sich zurückzogen,
der hat nicht mit der klugen Führung unseres Lagerleiters
gerechnet. Grad so in der Zeit zwischen finster wer´n
und siagst mi nit spielte der Horst auf seiner Ziehharmonika;
natürlich kamen wir alle herbei. Alte Volkstänze wurden
getanzt und neue hinzugelernt - und gar manch eifriger Tänzer
kam dabei ins Schwitzen.
So wie die Weisen schon in alten Zeiten taten, gab es zu Abschluß
des Tages geistige Nahrung. Die Form? Aufschluß- und lehrreiche
Vorträge und Debatten. Heidi Kastl las über Adalbert
Stifter in Lackenhäuser und zeigte dabei seine menschlichen
Wesenszüge auf. - Manfred Pranghofer führte uns von
einer Reise durch den Böhmerwald Lichtbilder vor. In seinen
begleitenden Worten wies er darauf hin, wie vieles sich seit der
Vertreibung verändert hat. Wo einstmals fruchtbare Äcker
und Wiesen blühten und den Menschen Nahrung und Brot gaben
ist ödes versumpftes Land oder ungepflegter Jungwald. Er
zeigte Aufnahmen aus dem Raume Kaplitz, Budweis, Krummau, Oberplan,
Salnau und Friedberg. Und sprach von den verschwundenen Gehöften
und Dörfern.
Einen Beitrag zur Bewältigung der Vergangenheit
nannte Herr Schulrat a. D. Bürger seinen Vortrag. Als Vergleich
erläuterte er Bilder aus der Geschichte anderer Länder
und man gewann den Eindruck, dass das deutsche Volk in seiner
Gesamtheit nicht besser und nicht schlechter als andere Völker
sei.
Über die Wichtigkeit der Leibesübung und Leibeserziehung,
besonders auch in den Jugendgruppen, sprach Herr Erich Hans, Dozent
an der Päd. Hochschule Stuttgart. Er zeigte die biologischen
und psychologischen Zusammenhänge auf, die die Naturnotwendigkeit
der Leibeserziehung begründen.
An einem weiteren Abend las Heidi Kastl Märchen und
Sagen aus dem Böhmerwald.
Sylvester brachte den Höhepunkt an Heiterkeit. - Lieder, Gebräuche aus dem Böhmerwald zum Alten Jahr, Stegreifspiele und allerlei lustige Streiche erfüllten das Haus. - Gestärkt mit heißem Punsch und Krapfen zogen wir dann mit der DJO zu einer Mitternachtsfeier auf eine hochgelegene Waldwiese. Im Kreise um den brennenden Holzstoß stehend erwarteten wir still das Neue Jahr. Der Lagerleiter sprach den Dank an das Alte Jahr.
In eindrucksvollen Worten wies er auf die feste innere Verbundenheit mit unserer Böhmerwaldheimat hin. Die beiden Lieder Nichts kann uns rauben... und Heimat dir ferne..., beschlossen die schöne Feier.
Fast hätte ich den Sanitätskurs vergessen, der schon zu Beginn des Lagers anlief. Denn ein richtiger Schifahrer muß auch über die einfachen Hilfsmaßnahmen bei möglichen Unfällen Bescheid und Rat wissen.
Frisch und erheiternd war die Dichterlesung von unserem geschätzten
Mundartdichter Karl Winter.
Es wachsen die Räume, es dehnt sich das Haus..., könnte
man so recht zu den Erläuterungen von Herrn Oberlehrer Anderle
aus Röhrnbach sagen, den wir als besorgten Hausvater kennenlernten.
Wir können stolz und glücklich sein, ein so schönes
Heim unser Eigen zu nennen. - Und was die Väter für
uns gebaut, sollen wir zu erhalten wissen.
Der letzte Tag führte uns zum Gipfel des Dreisessel. Ganz
tief verschneit und im herrlichsten Winterkleid sahen ihn noch
die wenigsten von uns. ...
Über das 25. Sommerlager schreibt Birgit Kern 1975 im
Wanderstecken:
Am 24.7. konnte Erich Hans jun. wieder fast 60 Jungen und
Mädchen im Adolf-Webinger-Haus in Lackenhäuser willkommen
heißen. Wie die Jahre vorher mußte man Altersgruppen
einteilen. Die Mädchen bis 14 Jahre betreute Inge Schwaigel,
die jüngeren Buben unser Goliath, und die älteren beschäftigte
Erich selber.
Am 26. und 27.7 fand in Passau das 8. Bundestreffen der Böhmerwäldler
statt. Mit ihm wurde auch das 25 jährige Bestehen der Böhmerwaldjugend
begangen. In seinem Festvortrag wies Prof. Erich Hans, der Gründer
und 1. Bundesführer der Böhmerwaldjugend, auf die Entstehung,
die Entwicklung und Zielsetzung dieses Jugendverbandes hin, der
am 29. Juli 1950 mit einem ersten Lager in Riedelsbach seinen
Anfang genommen und bis zu diesem Jahre überaus segensreich
im Sinne bester Jugenderziehung und -schulung gewirkt hat. - Bemerkenswert
war die Ausstellung Der Böhmerwald heute in der
Nibelungenhalle. Erschüttert nahmen wir die Bilder in uns
auf, wie trostlos unsere Stammheimat heute aussieht.
Die folgenden Tage brachten uns wahrhaftig keine Langeweile. Es
fanden Ausflüge zur Kangleralm, zum Dreisessel, zum Osser
und zum Bärnstein statt. Erich, Franz Essl und Sepp Skalitzky
brachten uns älteren Teilnehmern manches bei, während
die Kleinen mit Spielen, Bastelarbeiten und Wanderungen beschäftigt
wurden. Nett und erlebnisstark war ein Leseabend unseres verehrten
Sepp Skalitzky, dem dafür herzlichst gedankt sei. Nicht zu
kurz kamen der Volkstanz und das Singen, und Freizeit gab es auch.
An einem Abend - und das war ein Sonderfall - hielten wir einen
Volkstumsabend im Bergland ab. Wir taten dies zu Gunsten
des Herrn Kempinger, dessen Haus einen Tag vorher abgebrannt war.
...
Redaktion Wanderstecken: Sabine Januschko Bäumlstr. 55 82178 Puchheim Tel.: 089/89020822 Fax.: 089/84008730 Email: januschko@t-online.de Email an den Deutschen Böhmerwaldbund: jugend@dbb-ev.de
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