Die Eingliederung des Sudetenlandes:

Es wurde der "Reichsgau Sudetenland" geschaffen. Der Sudetengau wurde nach dem Modell der neuen Reichsgaue eingerichtet, die bestimmt waren, die alten deutschen Bundesländer abzulösen. Dr. Lodgman von Auen unterbreitete der Berliner Zentrale einen abweichenden Vorschlag. Es riet dazu, die einzelnen sudetendeutschen Gebiete einfach an die angrenzenden deutschen Länder anzuschließen. Aber nur Südmähren und die Böhmerwaldgebiete wurden in dieser Weise an die Reichsgaue Nieder- und Oberdonau und an die Bayerische Ostmark angegliedert.

Der Sudetengau wurde in drei Regierungsbezirke eingeteilt: Eger, mit Sitz in Karlsbad, Aussig und Troppau. Der Sitz der Gauleitung war in Reichenberg. Konrad Henlein wurde Gauleiter, Karl-Hermann Frank sein Stellvertreter.

Mit der Angliederung an das Deutsche Reich war für die überwiegende Mehrheit der Sudetendeutschen das nationale Ziel erreicht. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung fanden viele arbeitslose Sudetendeutsche wieder Anstellungen. Gleichzeitig verließen hunderttausende Tschechen, die seit 1919 zur Tschechisierung eingewandert waren, mehr oder weniger freiwillig das Sudetenland. Sie durften ihren Besitz mitnehmen bzw. ihre Immobilien ordnungsgemäß verkaufen. Manche Tschechen blieben auch.

Die Angliederung der Sudetengebiete an das Deutsche Reich hatte den Sudetendeutschen auch gewisse Einschränkungen gebracht. Alle sudetendeutschen Organisationen wurden "gleichgeschaltet", die Mitglieder der SdP in die NSDAP übernommen und viele "reichsdeutsche" Beamte und Funktionäre, die wenig Verständnis für die örtlichen diffizilen Probleme hatten, wurden den Sudetendeutschen vor die Nase gesetzt.

Gleich nach dem Einmarsch wurden die deutschen Sozialdemokraten verfolgt, aber auch Christlich-Soziale, Juden, Leute der Wirtschaft, der Kirche, ja selbst Leute aus Henleins Mitarbeiterstab. Vom Oktober bis Dezember 1938 wurden 20.000 Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei verhaftet; 2.500 Sudetendeutsche wurden allein ins KZ Dachau eingewiesen. Ins westliche Ausland flüchteten schätzungsweise 30.000 sudetendeutsche Sozialdemokraten und Juden.

Die Rest- Tschechoslowakei und ihre Auflösung (1.10.1938 - 15.3.1939)

Benesch, der nach dem Münchner Abkommen zurückgetreten war, hielt sich im Ausland auf. Neuer Staatspräsident wurde Dr. Emil Hacha ein bekannter Staatsrechtler, der auch bei den Deutschen als maßvoller, gerechter und hochgeachteter Mann galt. Die Slowakei erhielt die ihr bereits 1918 zugesagte Autonomie. Um nicht die Souveränität ganz zu verlieren, betrieb Prag eine Politik der Anpassung.

Mehrfach bemühte sich Prag, vom Deutschen Reich eine Garantie seiner neuen Grenzen zu erhalten. Aber Hitler hatte schon weitere Pläne, nämlich die Besetzung auch der Rest-Tschechoslowakei.

Wegen der Unabhängigkeitserklärung der Slowakei vom 13.März 1939 flog Präsident Hacha am 14.März nach Berlin. Hitler unterrichtete ihn über seine Absicht, das Rest-Staatsgebiet zu besetzen. Mit der Drohung, Prag durch die Luftwaffe dem Erdboden gleichzumachen, erpreßte Hitler Hachas Zustimmung, gegen den Einmarsch keinen Widerstand zu leisten.

So wurde das gesamte Restgebiet von Böhmen, Mähren und Mährisch-Schlesien am 15.März vom Deutschen Reich besetzt. Noch am gleichen Abend zog Hitler in die Prager Burg auf dem Hradschin ein.

Am 16.März 1939 verlas Außenminister Ribbentrop über Radio Prag den Führererlaß, der die Schaffung des "Reichsprotektorats Böhmen und Mähren" als autonomen Teil des Großdeutschen Reiches zum Inhalt hatte.

Der tschechoslowakische Staat hatte aufgehört, zu existieren.

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